Weinen als Aufgeben von Widerstand

Dies und Jenes

Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon MyWay » 9. Dez 2011, 10:03

Hallo ihr Lieben,

ich Poste dieses Thema mal hier und nicht im Erfahrungsaustausch, weil ich denke, dass es hier eher hinpasst.

Es geht ums Weinen. Nachdem ich die Suchfunktion bemüht habe bin ich auf zwei Dinge gestoßen. Weinen als Erleichterung (leuchtet mir ein, kenne ich, kann ich was mit anfangen) und Weinen als Aufgabe von Widerstand.

Vorgestern gab es im Radio einen Spendenaufruf. Es ging um einen Köperbehinderten Jungen, der einen Assistenzhund bekommen sollte (früher als Behindertenbegleithund bekannt, nur zum Verständnis). Die Summe die der Familie noch fehlte belief sich auf 10.000 Euro, die auch ratzfatz zusammengesammelt waren. Der Moderator rief also live die Mutter an und sagte, dass Geld stände bereit. Fand ich toll, weil ich die ganze Sache toll finde.
Die Mutter war darauf hin dermaßen ergriffen…das sie zu dem Kind, dass wohl am Telefon neben ihr saß, nur immer wieder flüsterte „sie haben das Geld zusammen, sie haben das Geld zusammen“.
Ich hätte auf der Stelle weinen können. Da klingt etwas ganz schmerzhaft in mir und hätte ich nicht gerade im Auto gesessen, hätte ich wahrscheinlich wie ein Schloßhund losgeheult.
Warum, wenn es doch eigentlich ein Grund ist sich zu freuen und zu jubeln für das Kind???

Das gleiche passiert mir übrigens auch bei Tierfilmen, die ich mir schon gar nicht mehr ansehe. Diese Filme haben ja immer das gleiche Schema. Ein Tier gerät in Not, vielleicht sogar in Lebensgefahr und dann kommen Menschen, die Himmel und Hölle in Bewegung setzten um das zu Tier retten, es pflegen, sich um es kümmern, es mit Liebe überschütten.

Statt etwas wie „oh wie schön“ zu empfinden, zerreißt es mir das Herz und ich könnte heulen als gäbs kein Morgen. Warum? Um welchen Widerstand in mir könnte es da gehen?

Es grüßt euch
MyWay
MyWay
 

Re: Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon Zaungast » 9. Dez 2011, 10:47

Liebe MyWay

Das ist jetzt meine letzte Antwort an Dich. Ich will ja nicht, dass Du Dich verfolgt fühlst. :clown: Und überhaupt...
(Ich habe das Gefühl, du wirst jetzt denken - oh nee, nicht schon wieder die ... :mrgreen: )

Aber: Genau so, wie das Rumwühlen im Aussen nicht so viel bringt (kann schon was bringen, aber nicht dauerhaft und effektiv), bringt es meiner Meinung nach auch wenig, wenn wir hier über Deine Widerstände spekulieren.

Mach ma selber...und das ist wiedermal nicht böse gemeint!!!!!!!!!

Lieben Gruss

Z.

PS: Hab gestern auch Rotz und Wasser geheult, beim Ankucken eines Theaterstückes auf youtube, das ich als Kind mindestens hundertmal auf Kassette gehört habe. Ich kannte noch alle Lieder auswendig...und bei einem brachs aus mir hervor...bin dann schnell ins Bad gelaufen :clown:
Zaungast
 

Re: Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon Zaungast » 9. Dez 2011, 12:05

Ich nochmal....

Jetzt lässt mich mein Beitrag nicht los und ich empfinde ihn als etwas kühl.
Sorry...

Aber so kam es erstmal aus mir heraus.
Dann habe ich anderes gelesen und mich selbst entspannt...und dann dachte ich: Was soll MyWay denn jetzt damit anfangen.
Ja, aber beides ist wahr. Ich stehe auch noch dazu, dass ich denke, nur Du kannst das erfassen, was da mit Dir passiert.

Und warum wir weinen müssen, wenn wir Liebe, Nähe, Ewigkeit, Fluss, Rettung, Vereinigung plötzlich durch und durch spüren?
Vielleicht, weil uns eine vorherige oder manchmal vorherrschende Kühle, Einsamkeit, Verzweiflung dann plötzlich schlagartig ganz bewusst wird, weil es plötzlich mehr weh tut als jemals zuvor, im Angesicht der Hoffmung, weil wir unendlich erleichtert sind, oder weil wir gleichzeitig Angst haben, die "Rettung" könnte nicht dauerhaft sein, weil...
Es gibt, denke ich, viele Gründe...

Es ist eine schöne Fühlaufgabe dem Nachzugehen.

Danke für die Gelegenheit, diese beiden Antworten zu geben. :lieb:

Z.
Zaungast
 

Re: Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon Luxus » 9. Dez 2011, 15:15

Liebe MyWay, :danke:

ich sende fühlbaren Dank für diesen Beitrag und die fragenden
Gedanken in ihm. Das Weinen können * ist eine wunderbare Fähigkeit
des Menschen, welche ihm u.a. zeigt, dass er die Fähigkeit besitzt,
sowohl Salz- als auch Süßwasser mittels Körper zu erzeugen. Kann
auch als Hinweis angenommen werden, da die Quelle in uns ebenfalls
Fluss- und Meereswasser in sich vereint. Das Einen im Weinen ist
eine sanfte Form des Heilens. W wie * Widerstand, Wunden, Wissen,
Wahnsinn, Wertlosigkeit – werden beim Weinen sanft geheilt.

Die von Dir beschriebene Erfahrung bezüglich der Radiosendung
lässt mich empfinden, dass Deine Seele teils aus Erleichterung weinte,
dass die Sache sich löste und andererseits aus Schmerz, dass Du immer
noch in einer Welt lebst, in der derartiges nötig ist, damit jeder Mensch
sein Leben weitestgehend allumfassend erfahren darf und kann.

Logisch betrachtet hast Du einfach nur mitgefühlt und damit auch
den Schmerz, die Erleichterung, die gesamte Unfassbarkeit der
einzigartigen Erfahrung der Mutter des Jungen miterlebt und
hilfreich emotional in Tränen verstoffwechselt,
damit das Feld im Innen keinen Schaden
wegen emotionalen Überdrucks nimmt.
Jenes Feld, durch welches wir alle mittels der Quelle im Innen
(und wahrscheinlich auch Außen) miteinander verbunden sind. :roll:

Eine mögliche Abrahamische Erklärung wäre eine gewissermaßen
umgekehrte Betrachtung der Gedanken, dass das Gefühl die
Manifestation ist. Während Du Dich auf Schmerz konzentrierst,
wird Schmerz als Folge für Dich manifestiert. …und während das
ganze sich vor Deiner Nase im Radio bzw. Film bereits in Freude
auflöst, verarbeitest Du immer noch * das Ergebnis Deiner
intensiven Aufmerksamkeit auf jenes Geschehen zuvor.

Somit wären das Gefühl und die dazugehörigen Verarbeitungs-
tränen die Manifestation, jener Bilder, Worte und Gedanken,
die nicht Deine eigenen waren, jedoch Deiner Wahl entsprachen.

Hier schließe ich mich dem Dankeschön der Zaungästin gleich noch einmal an,
der Beitrag ist wahrhaft supi geeignet, um gleich mehrere Möglichkeiten der
Antwort zu erfühlen.

Schöne Momente

Luxus

PS: Meine Antwort ist gleich ein bisschen länger als die vom Zaungast S.,
ich dachte mir sicher ist sicher und so brauche ich Dich nicht verfolgen. :kgrhl:
Wenn man beim Schmerz das M * materiell * entfernt, bleibt nur noch der Scherz.
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Re: Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon MyWay » 10. Dez 2011, 13:29

Ihr Lieben,

ich danke euch für eure Antworten. Ich mag da auch noch genauer drauf eingehen, wollte jetzt nur kurz meine Wertschätzung für eure Gedanken mitteilen.

Herzlichst
MyWay
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Re: Weinen als Aufgeben von Widerstand

Beitragvon Isi » 10. Dez 2011, 19:08

Liebe MyWay

ich hinterfrage nicht mehr, was meine Tränen mir sagen wollen, allein das Fühlen zeigt mir an, ob ich aus Schmerz oder Freude weine, manchmal ist da aber auch eine Mischung. Geweinte Tränen lösen bei mir Blockaden, ob bewusste oder unbewusste und, dann geht es mir besser - und darauf kommt es für mich an - mich besser zu fühlen.
Dieser song http://youtu.be/o6D-uL7QXFo ( hoffe ist o.k.,kann leider die Wiedergabe nicht kontrollieren, da ich seit Monaten keinen sound habe und ein neuer pc noch nicht in Sicht ist), den ich schon gefühlte 1000 mal gehört habe, treibt mir immer wieder die Tränen in die Augen - Freudentränen, - ob der Sensibilität der Trucker und der Freude des Jungen und der Mutter.
Isi
 


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