Du bist mein himmlischer Bruder-Geschichte

Dies und Jenes

Du bist mein himmlischer Bruder-Geschichte

Beitragvon Alice » 31. Okt 2011, 19:06

Es war frühmorgens als sie den langen, noch leeren Strand abging.
Die Sonne war gerade hochgestiegen und warf goldene Reflexe auf das Wasser und den nassen Sand, gab den Muscheln welche die Wellen an Land gespült hatten, eine wie magisch schimmernde Oberfläche.

Morgendunst lag über dem Wasser, vermischte Strand und Meer. Es war, als befinde man sich in einem Niemandsland, angestrahlt durch die Strahlen der Sonne, die zunehmend kräftiger wurde.
Wo begann das Land? Wo begann das Meer und wo endete der Horizont, der verborgen durch den Dunst, irgendwo war?

Ali bückte sich und sammelte ein paar Muscheln, steckte sie in die Tasche und ging weiter, denn sie wollte heute nachdenken und dazu suchte sie immer das Wasser auf.

Ja, mein Leben! Sie atmete einmal die Luft tief ein und aus und fand, dass sie nur dankbar sein konnte für alles. Das Leben ist ein Geschenk, dachte sie glücklich, und genau in diesem Augenblick erblickte sie die Muschel. Die Muschel war anders, sie leuchtete besonders intensiv, ja… fast geheimnisvoll.
Sie bückte sich und hob sie auf, um sie näher zu betrachten. Ich werde mich hinsetzten, dachte sie spontan und hockte sich ein wenig weiter oben hin, dort wo der Sand trocken war.
Die Muschel war eine groβe Schnecke, und sie glänzte Silbergolden. Irgendwas war geschehen, das bemerkte sie, aber sie wusste nicht genau was, denn sie war wie hinweg getragen und wurde von inneren Bildern überflutet.
So wie die Wellen sanft an den Strand fluteten… so fluteten die Bilder.

Da sah sie sich im Urwald, unten vor den Stufen einer hohen Pyramide. Und da war ein junger Mann. Sie hatten sich an den Händen gefasst, die Arme überkreuz, das war wohl dort so Brauch und sie sahen sich tief in die Augen, und sie nannte ihn: „Mein himmlischer Bruder“.
Die Bilder verblassten sehr langsam, sie hörte immer noch ihre eigene Stimme, die zu ihm sagte: „Du bist mein himmlischer Bruder.“
Dann war alles vorbei. Sie war wieder allein mit ihrer Muschel und bemerkte, dass ein wenig von dem Glanz der Augen des jungen Mannes sich auf der Oberfläche der Muschel wieder fanden. Sie dachte lange nach, ein wenig unschlüssig. Etwas in ihr wollte diese Muschel unbedingt besitzen, aber in ihrem Herzen meldete sich ein leise Stimme: „Die Muschel gehört hierher und nicht in dein Haus, wo sie irgendwann nur verstaubt…“

Entschlossen stand sie auf und brachte die Muschel genau zu jenem Platz, wo sie sie gefunden hatte und legte sie liebevoll dorthin zurück.
Dann machte sie sich auf den Rückweg. „Ja, du bist mein himmlischer Bruder“, flüsterte sie. „In alle Ewigkeit!“

Alice Juli 2007


LG Ali
Alice
 

Re: Du bist mein himmlischer Bruder-Geschichte

Beitragvon Herzi » 31. Okt 2011, 20:48

Hi, danke.

kennt ihr das: :)



Es geht ums Urteilen und Annahme von Allem was ist im Leben.


Ein alter Mann lebte in einem Dorf und war sehr arm;

aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß

ein wunderschönes weißes Pferd. Die Könige boten

phantastische Summen für das Pferd, aber er verkaufte es

nicht.

Eines morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das

ganze Dorf versammelte sich und die Leute sagten: “Du

dummer alter Mann, was haben wir dir gesagt? Wir

haben es immer gewusst, dass das Pferd eines Tages

gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu

verkaufen. Welch ein Unglück ist jetzt geschehen.“

Der alte Mann aber sagte: “geht nicht so weit, dass zu

sagen. Sagt einfach nur das, was ist. Das Pferd ist nicht

im Stall. Soviel ist Tatsache, alles andere ist Urteil. Ob es

ein Unglück ist oder ein Segen weiß ich nicht, weil ich

nicht weiß, was darauf folgen wird.” Die Leute lachten

den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er

ein bisschen verrückt war.

Aber nach 14 Tagen kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es

war nicht gestohlen wurden, sondern in die Wildnis

ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte noch 12

wilde Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute

und sagten: “Alter Mann, du hast doch recht; es hat sich

tatsächlich als Segen erwiesen.” Der alte Mann

entgegnete: “wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach, das

Pferd ist zurückgekommen. Ihr lest nur ein einziges Wort

in einem Satz; wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?”

Wieder lachten die Leute ihn aus.

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn. Der begann

nun, die Wildpferde zuzureiten. Schon eine Woche später

fiel er vom Pferd und brach sich beide Beine. Wieder

versammelten sich die Leute und wieder urteilten sie:

“wieder hattest du recht, es war ein Unglück. Dein

einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr

gebrauchen, und er war die Stütze deines Alters. Jetzt bist
du ärmer als je zuvor!” Der Alte antwortete: “Ihr seidbesessen
vom Urteilen. Geht nicht so weit. Sagt nur, dass

mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß,

ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben

kommt in Fragmenten; mehr bekommt ihr nie

gleichzeitig zu sehen.”

Die Menschen wunderten sich über den Alten und es

begab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen

Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden

zwangsweise zum Militär eingezogen, nur der Sohn des

alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der

ganze Ort war vom Wehgeschrei erfüllt, weil dieser

Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die

meisten nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie

kamen zu dem alten Mann und sagten: “Du hattest recht,

alter Mann, es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn ist

zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir.”

Der alte Mann antwortete wieder: “Ihr hört nicht auf zu

urteilen! Sagt nur dies, dass man eure Söhne in die

Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht

eingezogen wurde.

(Quelle: minare.net, islamische Geschichten)



Also alles Liebe,
Herzi.
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