Zwickmühle

Hier ist Raum für eigene Erfahrungen mit der Abraham-Lehre

Zwickmühle

Beitragvon Salome » 17. Mär 2011, 11:34

Zwickmühle
Ich wünsche mir, durch Euch, neue Möglichkeiten kennen zu lernen, um mit einer Familiensituation noch besser umgehen zu können. Mich wohler zu fühlen.

Vor langer Zeit wurde meine Schwester psychisch krank. Seit fast 20 Jahren ist sie trocken und seitdem kann sie ihre Gedanken besser ausbalancieren, so dass es ihr einigermaßen gut geht. Sie lebt allein und hat ihren Alltag gut strukturiert.

Vor kurzem war sie in einer Krisensituation. Sie aktiviert dann für sich ein Hilfsprogramm, in das sie mehrere Personen einspannt.

Ich habe dabei das Gefühl ich funktioniere wie auf „Knopfdruck“ – was kann ich tun – aktiv werden – und weiß genau, dass es so nicht geht.
In ihrer vermeintlichen Hilflosigkeit ist so machtvoll, dass ich darüber einige negative Emotionen hatte.

Workshop 12 - Mitgefühl und Mitleid - lesen und verstehen ist das Eine, ihn konsequent anwenden doch etwas anderes.

Bei dem Versuch mir meine Schwester als unbeschwerte, junge, glückliche Frau vorzustellen, die sie ja mal war, wurde ich sehr traurig, weil ich an diese Zeit keine Erinnerung habe.

Im Moment wende ich das Montessori Prinzip an. Hilf mir es selbst zu tun.

Ich liebe meine Schwester, wir sind sehr, sehr unterschiedlich und sie ist mir nah und doch so fern.

Ich danke Euch fürs „zuhören“
und freue mich auf wundervolle Anregungen

Salome
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Kia » 17. Mär 2011, 12:09

Liebe Salome,

ich kann das sehr gut nachvollziehen, da ich einmal in einer ähnlichen Situation war mit einer langjährigen Nachbarin, die damals seit 12 Jahren als psychisch krank eingestuft war.

Ich selbst konnte das nicht nachvollziehen, da ich sie als sehr liebenswürdige, kreative Frau wahrnahm – aus der Zeit vor der Krankheit kannte ich sie nicht, also hatte ich auch keine Vergleichsmöglichkeiten.

Ich weiss noch, dass ich sie intuitiv einfach als gesund behandelte, weil sich das für mich am besten anfühlte. Da ich nur ein paar Meter über ihr wohnte, war ich immer verfügbar, wenn zu Hause, und ich musste sehr viel lernen über ja und nein sagen zu Unterstützung (ob es für mich auch stimmte).

Ich sagte auch in den vielen Krisen immer ehrlich ja oder nein und ich hatte das Gefühl, sie schätzte das sehr, Offenheit und Ehrlichkeit – und nicht wegen „ihrer Notfälle,“ mich überfordern.

Heute würde ich sagen, ich habe konsequent die In-the-Vortex- Version von ihr aktiviert – damals sagte ich mir, ich schaue so, dass ich sehe, wie sie vom Göttlichen Bereich ursprünglich gedacht war – ist gar nicht so ein grosser Unterschied.


Was Du hier schreibst:

„Ich habe dabei das Gefühl ich funktioniere wie auf „Knopfdruck“ – was kann ich tun – aktiv werden – und weiß genau, dass es so nicht geht.
In ihrer vermeintlichen Hilflosigkeit ist sie so machtvoll, dass ich darüber einige negative Emotionen hatte,“

daran erinnere ich mich noch sehr gut. Ich sagte ihr dann immer, dass ich auf emotionale Erpressung niemals einsteige, sondern sie weiter als voll verantwortlich ansähe. Was sie natürlich masslos wütend machte, da sie von ihrer Seite, sich in das Ganze drum und dran „geworfen“ sah und sich selbst als abhängigen Sklaven ihrer vielen unterschiedlichen Gefühle, die sie einfach umher schleuderten, sinnlos, grundlos, absichtslos.

Ich musste lernen, diese vielen unterschiedlichen Gefühle zu ignorieren und ganz bei mir zu bleiben, ohne mich beeinflussen zu lassen. Am besten war das bei Wanderungen oder beim Sein in der Natur möglich; oder bei meditativen Tätigkeiten wie kochen, Wohnung gestalten...

Wir übten auch viele alltägliche Dinge zusammen, da ich sehr strukturiert bin und schon immer gut im Yang/männliche Energie funktionierte.
Im Prinzip empfand ich die psychotisch diagnostizierte Schublade als riesige Bewusstseins-Ausdehnung, die nicht integriert werden konnte; Grenzenlosigkeit ohne Boden, ohne Halt, ohne Zeit und Raum. Es gab viele fantastische Einsichten für mich – sie lernte, glaube ich, der Grenzenlosigkeit und Ausdehnung bewusst und freiwillig Grenzen zu setzen, selbst gewählte. Und die Richtung der Ausdehnung mitzubestimmen.

Wir bauten ein sehr grosses Netzwerk an Menschen auf, die sich zur Verfügung stellten, da in Phasen eines akuten Schubs tatsächlich bei Tag und bei Nacht Ansprechpersonen da sein mussten.

Ich erinnere mich noch an das riesige Fest, als sie viele Jahre später sich gesund selbst auch wahrnehmen konnte, und ich alle Menschen kennen lernte, die irgendwie engagiert waren – und ich staunte sehr, wie unterschiedlich und grossartig die alle waren und empfand grosse Hochachtung vor dieser Frau, die so leicht um Hilfe und Unterstützung bitten konnte, sogar fremde Menschen, die natürlich recht bald nahe Menschen waren.

Also für mich war es ein riesiger kreativer Lernprozess, vor allem meine eigenen Gefühle authentisch und klar und direkt zu fühlen und Ausrichtung auf die Quelle in mir konsequent zu üben. Anders hätte mich das total überfordert. Und das Zusammensein war am Stück auch nur wenige Stunden möglich, da höchste Achtsamkeit nötig war, um nicht doch wieder von ihr meine eigenen Knöpfe gedrückt zu bekommen.

Was ich immer auch ehrlich eingestand. Für mich war das überhaupt die wichtigste Erfahrung in der Begegnung, absolut ehrlich zu mir zu sein und meine eigenen Grenzen zu fühlen und zu akzeptieren.


Vielleicht kann Dir die eine oder andere Aussage nützlich sein ...

Lieben Gruss

Kia
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Salome » 17. Mär 2011, 13:53

Liebe Kia,

Danke für Deine Offenheit.

Meine Schwester wohnt knapp 40 km entfernt von mir. Unser Kontakt geht immer nur über wenige Stunden, ich nenne das meinen Selbsschutz.

Kia hat geschrieben:Was sie natürlich masslos wütend machte, da sie von ihrer Seite, sich in das Ganze drum und dran „geworfen“ sah und sich selbst als abhängigen Sklaven ihrer vielen unterschiedlichen Gefühle, die sie einfach umher schleuderten, sinnlos, grundlos, absichtslos.

Diese so zutreffende Schilderung löst bei mir Zweierlei aus. Die Erkenntnis, dass ich mich genau vor diesen Ausbrüchen fürchte und ich körperlich darauf mit Herzklopfen reagiere und ich mir JETZT sage, tief durchatmen und loslassen.

LillyB hat an einer anderen Stelle geschrieben: " Den Stempel nehme ich dir jetzt ab.....
Ich glaube, dass ich diesen Stempel selbst erst einmal entsorgen muss, und dann in Gesprächen, mit Anderen, in dem wir nach Lösungen Ausschau halten, die ich / wir meiner Schwester anbieten können. Als aller Erstes im Umgang mit ihr Selbst

Kia hat geschrieben:als sie viele Jahre später sich gesund selbst auch wahrnehmen konnte

Das ist eine traumhafte Vorstellung. Mit allen Freunden ein FreudenFest feiern, weil meine Schwester sich selbst und wir - die Sippe - sie gesund sehen können.

Kia hat geschrieben:meine eigenen Grenzen zu fühlen und zu akzeptieren

ja, ich werde mir meiner eigenen Grenzen immer bewußter und kann sie immer besser akzeptieren und annehmen.

Liebe Grüße

Salome
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Salome » 18. Mär 2011, 20:27

Liebe Kia,

ich möchte hier und jetzt meiner Freude Ausdruck verleihen.

Meiner Schwester geht es langsam wieder besser. Im Moment telefonieren wir täglich. Die letzten Telefonate verliefen recht erfreulich.
Gestern sprach sie von ihrem Mantra: "Ich lerne Leiden ohne zu klagen"
Mein Vorschlag dazu war: "Ich lerne Leben ohne zu klagen".
Heute kam die Rückmeldung, dass sie es so angenommen hat. Da sie gerne besser schlafen möchte, hat sie sich auch dafür ein Mantra ausgesucht: Lieber Gott hilf mir keine Panik zu bekommen". Auch dazu fiel mir eine andere Formulierung ein. "Lieber Gott hilf mir gut zu schlafen". Auch diese hat sie angenommen. Meine Freude und Dankbarkeit darüber ist groß.
Die Vorstellung mit allen Freunden ein FreudenFest zu feiern, nimmt in meinen Gedanken immer mehr Gestalt an.
Ich habe mich dazu entschieden, meine Schwester als genesend zu sehen.

Voll Freude und Dankbarkeit mich hier in diesem Forum, in dieser Art und Weise austauschen zu können
wünsche ich Dir und allen Lesern ein traumhaftes Wochenende.

Liebe Grüße

Salome
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Kia » 18. Mär 2011, 21:37

Liebe Salome,

es freut mich so sehr, dass Deine Schwester empfänglich ist für Deine liebevolle Schwingung, also die Liebe und Freude, die Du ausstrahlst und sie sich dafür öffnen kann - um in sich langsam, schrittweise, die, die sie wirklich ist, zu fühlen und zu entwickeln.

Danke Dir herzlich und schönes Wochenende :gvibes:

Kia
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Salome » 23. Mär 2011, 09:39

Liebe Kia,

jetzt ist es Zeit Dir Worte des Dankes zu sagen.

Deine liebevollen Worte haben mich zu Tränen gerührt.

Kia = die , die mit Worten streichelt

Du ahnst nicht, welche Lawine Du ausgelöst hast.

Beginne ich doch jetzt mich selbst liebevoller zu sehen und mich damit wohl zu fühlen. Ich habe mich sogar verliebt und tatsächlich in mich. Das ist einfach fantastisch und fühlt sich wundervoll an.

Das Leben ist herrlich, die Sonne lacht dazu und JETZT ist alles gut.

Mit den besten Wünschen für eine sonnige Zeit grüßt Dich herzlich

Salome
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Re: Zwickmühle

Beitragvon Kia » 23. Mär 2011, 10:50

Liebe Salome,

ich sitze hier auch mit Tränen in den Augen. Wie wunderbar dieser Austausch mit Dir. Es ist das größte Geschenk meines Lebens, dass ich in diesem Forum hier lernen durfte, nicht mehr Freunde und Fremde zu unterteilen. Die Welt ist mir aus inniglichste lieb geworden, ich fühle die Welt als meine Freunde, niemand ist fremd. Es gibt kein größeres Geschenk.

Und was ich auch lernen durfte hier ist: Je mehr ich es vermag, Erkenntnisse in Liebe weiterzugeben, Erfahrungen oder Wissen oder gewonnene Einsichten, um so mehr darf ich wieder von der Quelle, die uns alle in Liebe hält und trägt, empfangen. Ich gebe, was ich empfange und empfange wieder mehr, um es geben zu können.
Es ist so gut und wohltuend für mich möglichst viel weiterzureichen, da dann sofort wieder noch mehr des Guten von der Quelle herunter gereicht wird sozusagen, was ich mit der grössten Wertschätzung, zu der ich fähig bin im Moment freudig annehme.

Es ist für mich auch so wie Du schreibst, eine Lawine von Gutem und Nützlichen wird kontinuierlich sich vermehrend über mich geschüttet von allen Seiten, so intensiv, dass ich manchmal nicht mehr weiß, wie mir geschieht ...

Ich danke Dir von Herzen für Deine Bereitschaft in Offenheit und Liebe Dich fremden Menschen anzuvertrauen, die dann plötzlich nahestehende Menschen sind. Es geht so schnell. Wir haben die gleiche Quelle und trotz unserer Unterschiedlichkeit, die berücksichtig werden will, können wir uns alle riesig viel geben, schenken, so dass Freigiebigkeit und Freude dauernd vermehrt werden. Wir empfangen, indem wir geben.
Und wie gut, dass Deine Schwester, Dich kennt, und Du sie manchmal und bestimmt immer öfter vom Herzen her erreichst und sie sich Dir öffnen kann. Ein Mensch, der einen bedingungslos liebt, ist so kostbar wie ein Juwelenschatz.

Herzensgrüße

und auch Dir weiterhin eine sonnige Frühlingszeit :gvibes:

Kia
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