Träume erfüllen?

Hier ist Raum für eigene Erfahrungen mit der Abraham-Lehre

Träume erfüllen?

Beitragvon Pagani » 29. Jun 2013, 12:21

Mal eine ganz private Erfahnung von mir:

Ich habe eine Parallelwelt. Eine Welt, in die ich flüchten kann. In der ich alles sein kann, was ich möchte; in der ich alles habe, was ich möchte. Eine Welt, die keine Grenzen kennt. Eine Welt, in der ich Erfahrungen mache, die keine Grenzen kennen. Es ist meine Parallelwelt, und ich tauche schon seit vielen Jahren in sie hinein. Eigentlich seit ich denken kann. In diese Welt zu gelangen ist eine sehr eigenwillige, vielleicht sogar einzigartige Form. Bisher habe ich noch niemanden kennen gelernt, das ebenfalls praktiziert. Wenn es noch andere gibt, dann werden sie bestimmt so wie ich: mit niemanden teilen. Denn es ist wirklich ungewöhnlich. Nur meine nahen Verwandten wissen davon, und ob sie davon ausgehen, dass ich immer noch dieses seltsame Verhalten an den Tag lege, weiss ich nicht. Wir reden nicht darüber. Nur mal nebenbei. Es ist nichts Schlimmes, es ist nur einfach sehr ungewöhnlich. Nennen wir es einfach Trance ähnliches Tanzen. Das muss reichen. Die Art und Weise ist aber auch eigentlich egal. Es geht mir nur darum, dass solche Welten existieren und das man auch aus ihnen heraus erschaffen kann.

Vorab: Ja, ich bin 34 und träume noch Mädchenträume. MIT INBRUNST! Zu den Fakten: Ich habe immer wieder in meinem Umfeld betont, dass ich gerne einen brauen Hengst hätte, den ich dann Timbuktu nennen würde (ich finde den Namen toll).

Ich besaß aber keinen, also tauchte ich regelmäßig in meine Fantasiewelt ein und erschuf ihn mir einfach. Meinen braunen Hengst namens Timbuktu. Und da ich in dieser Welt alles erschaffen kann und alles erleben darf, war es nun so, dass Timbuktu und ich wahre Abenteuer bestritten. Dazu kam noch, dass dieses Pferd erst durch mich zum Schwan wurde. In dieser Welt hatte ich es geschafft, aus einem kränklichen Tier, dem keiner eine wirkliche Chance gab, einen Überflieger zu machen. Selbstredend war auch ich ein Überflieger. Das gehörte einfach dazu. Ich liebte dieses Tier. Er war am Ende einfach perfekt. Ja, es hat einen Hauch von Hollywood. Warum auch nicht :-) Ist ja schliesslich meine Welt. Wie lange ich das immer wieder und wieder machte, weiß ich gar nicht. Ein paar Monate werden es gewesen sein.

Und dann kam der Tag, an dem Timbuktu Wirklichkeit wurde. Ein namenloser brauner, kränklicher Hengst wurde plötzlich real und traf mich vollkommen unvorbereitet. Ich war damals nach langer Zeit wieder mit meiner Freundin verabredet und sie erzählte mir von ihm. Jemand müsste ihm eine Chance geben, und dieser jemand war ich. Am nächsten Tag bekam ich ihn geschenkt, und eine Woche später stand er bei mir im Stall. Timbu war ein trauriger Anblick. Als er jung war, hatte er einen schweren Unfall und war danach über Jahre nur in der Box. Niemals raus, niemals wirklich laufen gelernt. Ich wollte ihm auf jeden Fall diese Chance geben. Ich wollte, dass alles so wird wie in meiner Fantasie. Aber was in der Fantasie so einfach schien, stellte sich im realen Leben als große Herrausforderung dar. Timbu war sehr krank, aber er hatte trotz aller Schmerzen dieses Funkeln in den Augen. Er war dünn, jede Rippe war zu sehen. Muskeln besass er keine, und Laufen fiel ihm sehr schwer.

In meiner Fantasiewelt waren wir unbesiegbar, aber jetzt holte uns die Wirklichkeit schonungslos ein. Was in der Fantasie so einfach schien, war im realen Leben für mich nicht möglich zu realisieren. Zu alledem erlebte ich jetzt etwas, das es in meiner Fantasie nicht gab. Die negativen Stimmen anderer Menschen, die ihm alle keine Chance einräumten. In der Fantasie konnte ich dieses Stimmen schnell zum Schweigen bringen, aber in der Realität geht das nicht so einfach. Die Stimmen bleiben mir im Kopf hängen.

Timbuktu wurde in einem Jahr kaum dicker und lief immer noch schlecht. Zwar hatte er noch das Funkeln in seinen Augen, aber eines Tages wurde mir bewusst, dass dieses Tier zwar einen großen Willen, aber auch ungeheure Schmerzen hatte.

Ich habe ihn dann erlöst - oder vielleicht habe ich sogar mich erlöst? Im Grunde genommen erlöste ich uns beide. Die Zeit mit Timbu war härter als gedacht. Ihn gesund zu sehen, fiel mir immer schwerer. Mein Glaube daran, es schaffen zu können, wurde irgendwann von dem Anblick, den er bot, zunichte gemacht. Ich hatte kaum noch Hoffnung. Ich hatte auch keine Kraft mehr und verlor meinen Glauben, es wirklich schaffen zu können.
Es ist ein schwacher Trost für mich, das er immerhin ein Jahr lang auf der Wiese stehen durfte und die Freiheit besass einfach nur ein Pferd zu sein.

Timbu war ein wahr gewordener Traum (eine manifestierte Fantasie). Mein Traum, der sich dann doch nicht erfüllte. Er fehlt mir unendlich. Er ist jetzt eineinhalb Jahre tot, aber es ist, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich das Funkeln in seinen Augen gesehen hatte. Ich wollte ihn nicht gehen lassen, aber ich musste aufgeben. Ich habe mich oft gefragt, wie es passieren konnte, dass mein Traum wahr wurde, und dass er sich dann doch nicht endgültig erfüllen konnte. Warum trat er ausgerechnet zu dem Zeitpunkt in mein Leben, wo ich der Aufgabe noch gar nicht gewachsen war?

Mit dem “real werden“ von Timbuktu erlosch er in meiner Fantasiewelt. Ich habe versucht, ihn dort wieder mit hinein zu nehmen, ihn dort schon mal gesund zu machen. Aber es gelang mir nicht. Timbu wollte nicht mehr mit. Die Welt erlosch, und ich habe ihn auch nach seinem Tod dort nicht nochmal zum Leben erwachen lassen. Es geht einfach nicht. So gerne ich es auch möchte. So sehr ich das auch vermisse. Ich habe andere „Welten“ aber diese hat sich einfach für immer geschlossen.

Mir bleibt nur das Funkeln in seinen Augen und die große Frage nach dem Warum.
Pagani
 

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