Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Hier ist Raum für eigene Erfahrungen mit der Abraham-Lehre

Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon BonnyLullaby » 28. Apr 2014, 21:05

Hallo,
ich versuche mal mein Problem zu schildern. Im Moment blicke ich selbst nicht so ganz durch.
Ein Thema, das seit ich in eine neue Stadt gezogen bin, die mich 9 Stunden Zugfahrt von meinem Zuhause, von dem ich noch nie länger als 3 Wochen weg war trennt, ist die Einsamkeit. Ich studiere in der neuen Stadt Schauspiel und wir sind ein Jahrgang von 10 Personen. Die Leute sind alle nett und haben auch alle etwas besonderes an sich, aber ich bin mit niemandem auf einer Wellen länge, fühle mich bei niemandem richtig wohl, habe wenig vertrauen, fühle mich nicht verstanden, hab das Gefühl sie verstehen meinen Humor nicht und bilde mir oft negative Gespräche in meinem Kopf ein die nichts mit der Realität zu tun haben. Insgesamt hat sich in mir der Glaube, das ich einfach nicht zu dieser Gruppe passe gefestigt. Ich ziehe mich oft zurück und bin einfach nicht wirklich aus tiefem Herzen glücklich wenn ich mit ihnen zusammen bin. Oft ist es so, dass ich dann noch mehr an meine Einsamkeit denke. Wenn ich mit ihnen feiern gehe dann fühl ich mich einfach nicht wohl und bin eher melancholisch gestimmt. Ich merke wie ich mir oft eine Maske aufsetzte um nicht immer der Trauerkloß zu sein. Ich hab das Gefühl das sie mich langweilig finden und sehe von meinem Auge aus das sich schon Gruppen gebildet haben bzw. das der ganze Jahrgang zu einem Ensemble, auf und hinter der Bühne geworden ist, aber ich sehe mich darin nicht. Sie mobben mich nicht und ich habe das Gefühl das man mit ihnen über alles reden kann, doch glaube ich nicht das mein Problem etwas mit ihnen zu tun hat, sondern das ich einfach nicht darein passe. Ich werde nächstes Jahr noch einmal an eine bestimmte Schule vorsprechen gehen und hoffen dort angenommen zu werden und Freunde zu finden. Und jetzt weiß ich schon wieder nicht was eigentlich mein Problem ist einerseits würde ich gerne etwas ändern andererseits will ich einfach nur weg.
Eine weitere Sache ist das mein Selbstwertgefühl verloren habe. Es gab eine Zeit da hab ich mich und meinen Körper so sehr geliebt. Doch jetzt sehe ich mich kaum noch. Ich weiß nicht wer ich bin, was meine Eigenschaften sind, was besonders an mir ist. Den Impuls wegen dem Ganzen zu einem Therapeuten zu gehen war schon oft da, aber dennoch hab ich es nie umgesetzt.
Sehr oft plagt mich auch der Gedanke ob Schauspiel das richtige ist. Während dem Unterricht denke ich sehr oft: „Das da ist nicht das was ich will“. Gut, man sagt auch, dass die Schauspielschule ungefähr 5% des restlichen Berufsleben ist. Aber meine Freude und Leidenschaft Dinge auszuprobieren ist verschwunden. Ich hab oft Angst etwas falsch zu machen, obwohl es darum geht Fehler zu machen. Ich hatte mal einen solchen Appetit auf Fehler, es gab eine Zeit da dürstete ich danach und jetzt bin ich so verschreckt und habe mich zurückgezogen.
Ich hab auch versucht mich an den Gedanken anzufreunden, aber es gibt Ziele die ich erreichen will, sowie ein Oscar zu gewinnen oder mit eine bestimmten Regisseur zu drehen. Es macht mich auch irrsinnig traurig wenn ich darüber nachdenke das aufzugeben.
Wann hat das angefangen das ich so negativ wurde und mir es so schlecht geht. Ich kann mich nicht mehr erinnern wann ich mich das letzte Mal länger als 1 Tag gut gefühlt habe. Ich war einmal sehr gut darin law of attraction anzuwenden, doch jetzt bin ich so verwirrt und fühle mich wie ein Knoten der sich nicht mehr lösen lässt. Mein Kopf ist so voll, ich habe das Gefühl keine Sekunde mehr ruhig zu sein, mein Rücken ist seit Monaten dermaßen verspannt und manchmal wünschte ich mir eine schlimme Krankheit damit ich im Krankenhaus liegen kann und mal nichts tun darf/kann....

Danke das ich hier mal meine Sorgen schreiben darf.
Liebe Grüße
BonnyLullaby
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Re: Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon backagain » 28. Apr 2014, 22:14

Hallo BonnyLullaby

Eigentlich wollte ich nicht antworten, da ich schon zu viel geschrieben habe in letzter Zeit. :-)
Und weil so eine Antwort ziemlich komplex ist....
Aber ich kenne Deine Geschichte ganz gut - so gut, dass ich es jetzt doch tue.

Ich war vor 22 Jahren mal in einer ganz ähnlichen Situation, am Anfang meines Musikstudiums. Ich hatte mich tierisch drauf gefreut, endlich ähnlich tickende Leute kennen zu lernen, doch Pustekuchen.

Und ich hatte auch etwas abstruse Ziele - nämlich zum Beispiel "berühmt" zu werden. :clown:

Statt berühmt wurde ich erstmal deprimiert. Fühlte mich als Versagerin, geriet "natürlich" an einen total blöden Lehrer, der mich fertig machte... (heute ist mir sowas von klar, wie ich den angezogen habe bzw. wie sehr er mir genau das widergespiegelt hat, was ich ihm angeboten habe... :clown: )...schwankte zwischen totaler Selbstüberschätzung und grauenhaften Selbstzweifeln...

Allerdings hatte ich damals vom Loa keine Ahnung - habe aber schon angefangen, in dieser Richtung zu denken.

Erstmal eine allgemeine Sache: Bei so einem Studium wie Schauspiel oder Musik wirst Du permanent mit Dir selbst konfrontiert. Und die Arbeit an einer Interpretation ist eigentlich Arbeit an Dir selbst. Und dadurch wird es für manche Menschen besonders hart. Ich schätze, es kann nicht verkehrt sein, wenn Du Dir das ganz klar machst.

Denn Kritik ist hier Kritik an Deinem Selbstausdruck. Aber was sich ausdrückt, ist meistens das kleine ich, das nach Bestätigung und Anerkennung, Akzeptanz und Dazugehörigkeit sucht, und zwar im Außen.

Also - das ist nicht Dein wahres Wesen, das immer schon mit Allem verbunden ist, sondern ein ziemlich davon "losgelöster" Teil, der vermutlich Anfang zwanzig ziemlich ratlos rumsuchend vor sich hin eiert. Das ist eine harte Zeit....oder kann es sein.

Vielleicht hilft es Dir - falls Du das kannst - jetzt schon nach den Wünschen hinter Deinen Wünschen zu schauen.

Warum willst Du einen Oscar gewinnen? Warum spielst Du überhaupt gerne Theater? Was treibt Dich wirklich an?

Und wenn Du das weißt, dann versuch mal, das loszulösen von Deinen Lebensumständen.

Soll heißen: "Einen Oscar gewinnen wollen" ist eine verdammt schlechte Triebfeder fürs erfolgreiche Theaterspielen, weil es damit kaum etwas zu tun hat.

Nette Leute treffen zu wollen ist ebenso ungeeignet, um die geeignete Schauspielschule zu finden. Denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das sollten unterschiedliche Wünsche sein.

Ich glaube, zum einen wünscht Du Dir: Geborgenheit, Anerkennung, Dazugehörigkeit, Aufmerksamkeit, Freunde, Verständnis....

Zum anderen drückst Du Dich gerne durchs Theaterspielen aus, hast vermutlich dazu Talent und es macht Dir Spaß.

Aber wenn Du diese beiden Schwerpunkte in einen Topf wirfst und das Theaterspielen dazu nutzt, um erstere Dinge zu erhalten, wird das vermutlich reichlich schief gehen.

Nicht das Theater ist das Instrument, um irgendwie einen Mangel aufzufüllen und die anderen Dinge zu erhalten.

Sondern beides erhältst Du, wenn Du es schaffst, Alignment, Anbindung, innere Sicherheit, Selbstliebe zu verwirklichen.

Dann fühlst Du Dich zum einen wieder wertvoll, zum anderen findest Du die Freiheit, die Du brauchst, um gut zu spielen. Das kann aber dauern....(Ich kenne Dich nicht und spreche, wie gesagt, nur aus eigener Erfahrung....vielleicht liege ich auch daneben....aber - gönn Dir Zeit!)

Also, Ratschlag aus Abraham-Sicht:

Erkenne Deine wahren Wünsche! Schreib Dir auf, was Du Dir vor allem wünschst, und, falls Platz dafür ist, warum.
Warum weg, warum Oscar, warum....So kommst Du an die Wünsche hinter den Wünschen, an die Gefühle, nach denen Du suchst.

Und dann richte Dich aus auf die Erfüllung dieser Wünsche, und halte dabei das Spielen und das restliche Leben auseinander. Also beispielsweise: Ich wünsche mir Freiheit beim Spiel, gute Lehrer, die mir fördernd zur Seite stehen (wähle die Schule nach der Qualität aus und nicht nach privaten Dingen, die du zu finden hoffst, oder, noch besser, überlasse die Sache mit der geeigneten Schule gleich ganz dem Universum :-)), viel Input, etc.

Und auf der anderen Seite: Egal wo ich bin möchte ich Menschen treffen, mit denen ich mich gut verstehe, möchte mich dazugehörig fühlen usw....

Und wie immer und überall ist das A und O dabei Deine Selbstliebe. Und wenn das noch nicht so hinhaut, dann gönne Dir Zeit!

Gerade die "Dazugehörigkeit" hat so unendlich viel mit Dir selbst und Deiner Verbindung zu Deinem "inner being" zu tun. Fühlst Du Dich als "am Rande stehend", dann ist das deswegen, weil Du selbst mit Dir nicht in Kontakt bist. Da helfen Ortswechsel meistens auch nicht viel....

Also wäre der Hauptwunsch: Ich möchte in Kontakt mit meinem Inner Being, meinem Wesen treten, ich möchte die sein, die ich wirklich bin usw....

Und wie gesagt: Mach Dir dabei keinen Stress. Du hast Zeit. Alles ist total normal. Du bist bestimmt noch jung, zum ersten Mal weg von zu Hause, alles ist neu....

Und wenns dir mies geht - schau Dir Abraham-Videos an; die machen total gute Laune.

Aber nicht mit dem Hintergedanken: Ich will das sehen und umsetzen, um gute Rollen zu kriegen und später einen Oscar zu gewinnen. :clown:
Sondern mit dem Hintergedanken: Ich will MICH finden und mich gut fühlen. Dann ergibt sich der Rest von selbst. Und zwar so, wie's passt und echt ist. Dann kommen die Menschen, die passen, die Lehrer, die passen und die Rollen, die passen. Zu Dir.

Lieben Gruß!

S.
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Re: Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon backagain » 28. Apr 2014, 23:08

Ach so, und noch was:

Tu das, was Dir gut tut und womit Du Dich gut fühlst.

Versuch nicht, "kein Trauerkloß" zu sein, versuch nicht, irgendwem was vorzuspielen (außer auf der Bühne :mrgreen: ).

Versuche lieber, herauszufinden, wie Du Deine Laune effektiv anheben kannst.
Freunde anrufen, öfter mal nach Hause fahren, eine Impro-Theater-Gruppe am Wohnort suchen und verrückte Sachen ausprobieren, dich an den Fluss setzen und ein Bier trinken, was Neues zum Anziehen kaufen...was auch immer Dir wirklich gut tut!

Du musst niemandem etwa beweisen. Weil niemand jemals jemandem etwas beweisen muss.

Alles Gute
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Re: Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon BonnyLullaby » 29. Apr 2014, 18:05

Hallo backagain,
ich danke dir sehr für deine Antwort.
Heute morgen in der Uni kam ich wieder zu dem Punkt wo ich die Kritik von einem Dozenten auf mein Privatleben bezogen habe und anfing zu grübeln, doch dann hab ich mir gesagt:" Jetzt reiß dich zusammen, fang an Uni und Privat zu trennen". Und auf einmal wurde der Tag wundervoll und total entspannt. Ich verspürte nicht den Druck den ich sonst hatte und ich glaube das lag daran das ich mich sehr in meine Träume verbissen hatte und alles was passiert ist auf meine Träume bezog und beurteilt hab was mich weiter bringt und was nicht, anstatt es laufen zu lassen.
Ich bin dir unendlich dankbar für deine Worte, denn sie haben mir Türen geöffnet wo ich vorher nur durchs Schlüsselloch gucken konnte.
Ich hoffe das ich meine Erkenntnis weiter behalte und wenn nicht werd ich mir einfach noch einmal die Nachricht durchlesen.
Die liebsten Grüße
BonnyLullaby
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Re: Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon backagain » 30. Apr 2014, 08:37

Hallo Bonny Lullaby

Ich freue mich sehr! Das ist schön, dass Dir mein Beitrag geholfen hat. Übrigens - sorry, dass ich so viel übers "Theater"spielen geschrieben habe - Dir gehts eher ums Schauspiel allgemein, ne? Weil, einen Theater-Oscar gibts ja nicht. :clown: Aber letztlich ist es dasselbe.

Und ja, laufen lassen (einerseits) ist sehr gut! Wenn die innere Ausrichtung klar ist.

Das habe ich mich oft gefragt: Wie geht das zusammen: einerseits genau wissen, was man will, andererseits laufen lassen.

Aber jetzt ist mir das klar: Die Wünsche hinter den Wünschen müssen klar sein. Zum Beispiel:

Ich möchte mein ganzes Potential leben, ich möchte mich entfalten, ich möchte den Weg finden, der genau zu mir passt, ich möchte mich verbunden fühlen. Ich möchte Freiheit spüren....

Aber das "Wie" - das kann man laufen lassen. :clown:

Oder anders: Beim Blick nach innen sollte größtmögliche Klarheit herrschen. Beim Blick nach außen: Vertrauen.

Freude ist immer der Anzeiger, dass die Richtung stimmt. Freude ist sozusagen der Kompass-Magnet.

Sobald sich etwas mühsam, anstrengend oder wie ein Berg anfühlt: neu ausrichten.

Und übrigens: Obwohl ich mich am Anfang meines Studiums wie eine Versagerin fühlte, weiß ich heute genau, was ich kann. Irgendwann habe ich auch mal total tolle Konzerte gespielt, und die trage ich als Erinnerung und erlebten Teil meines wahren Wesens immer mit mir.

Aber dann haben sich noch viel mehr Möglichkeiten aufgetan: Ich habe gesehen, wie sehr mich zum Beispiel auch das Unterrichten erfüllt. Wie sehr mich andere Kunstarten ebenfalls begeistern. Und auch andere Wissensgebiete...und es hat sich ergeben, dass ich viel damit machen konnte und kann.

Ich habe immer neue Träume entwickelt - und es werden gerade wieder noch mehr. (Das ist so schön - ich bin Anfang vierzig und habe das Gefühl - wow, gerade fängt das Leben mal wieder so richtig an.)

Aktuell träume ich davon, ein Video zu drehen.... :clown:

Nie vergessen darf man aber die innere Ausrichtung auf Freude, Glück, Spaß, Verbundenheit.

Alles alles Gute! Du bist ganz sicher auf einem super Weg :gvibes:

Sabine
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Re: Selbstwertgefühl, Einsamkeit, Unzufriedenheit

Beitragvon backagain » 30. Apr 2014, 08:45

Ach so - ganz schnell noch zu dem "mühsam, anstrengend usw."

Natürlich gibt es Aufgaben, die erstmal mühsam sind. Aber mit "neu ausrichten" meine ich auch nicht "weglaufen und etwas anderes machen".

Sondern eher, auf Inspiration warten, geduldig mit sich selbst sein, auf die innere Stimme hören. Das kann ein Umlenken sein, ein "Auf-die Seite-legen" oder aber auch etwas ganz anderes.

Zum Beispiel spielte ich mal eine Beethoven-Sonate und kam mit der Interpretation einfach nicht klar.

Ich wusste, es soll machtvoll und ziemlich großartig klingen, aber egal, wie oft ich das Stück übte, klang es klein und mickrig. :clown: Und wurde eigentlich immer schlimmer, je verbissener ich mich dran machte.

Dann stieß ich in einem Laden (zufällig 8-) ) auf ein Poster von einem Säulengang vor einem sehr bewegten Himmel. Und musste sofort an die Sonate denken.

Ich kaufte das Poster und hängte es neben das Klavier. Und schaute vor dem Üben dann immer drauf und versenkte mich in den Anblick, in das Gefühl....

Und - tada - plötzlich ging es. Das war inspiriertes Handeln....
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